29. Schwarzwald Winterfahrt 2017

Vorbereitung

Ich kann nicht wirklich behaupten, dass ich mich auf den Event freue, denn konstruktionsbedingt ist das Motorrad für den Winter nicht wirklich gut geeignet. Du sitzt voll im Wetter, mit nur zwei Rädern wird jede noch so kleine glatte Stelle auf der Straße zur potentiellen Sturzursache und außerdem ist es auch noch für einige Stunden komplett dunkel.
Zumindest gegen die Kälte kann man was tun, und getreu nach dem Motto viel hilft viel, zwiebel ich mir Schicht um Schicht auf den Leib bis die Winterjacke gerade noch so zu geht. Als äußerste Schicht hat sich das Regenzeug bewährt, einerseits hält es den Wind ab, andererseits schützt es vor der Salzgischt und, Gott bewahre, Regen und Schnee.
Das Motorrad braucht lediglich wintertaugliche Reifen (in meinem Fall Mitas E-09) und eine Griffheizung – ohne würde ich nicht an den Start gehen, denn die läuft normalerweise den ganzen Tag auf 100% – aber nur weil 120% nicht geht.

Ich dreh am Rad

Der erste Posten ist im Gasthof Kreuz Schönwald. Wir, und auch einige andere, sind bereits einige Minuten vor 6 da und dürfen die Aufgabe schon mal angehen. Weiterfahrt aber nicht vor 6:00 Uhr. Die Scheibe wird von Hand in Rotation versetzt und dreht idealerweise bis in die 10 Punkte Kerbe. Zaghafte Versuche bringen Punktabzug, zu forsches Vorgehen wird mit null Punkten bestraft. Jeder darf drei Mal, ich starte mit 22 Punkten auf der Boardkarte ins Rennen.

Zum Löwen

Etwa eine Fahrstunde südlich im Gasthaus Zum Löwen wartet ein Bogen mit Fragen zu Allgemeinwissen auf uns. Die Antworten fielen mir leicht, bei einer Schätzfrage (Wie viele Stacheln haben Igel) hatte ich Glück als ich auf 8000 setzte. Somit weitere 30 Punkte gesammelt und gleich weiter über Bonndorf und Blumberg auf die Alb.

Sonnenaufgang

Zwischen Blumberg und Engen – Sonnenaufgang mit Alpenblick vom Feinsten. Der Preis dafür sind teils bitterkalte Täler, die vermutlich seit September letzten Jahres keine Sonne mehr gesehen haben.

Kein Kuchen ist auch keine Lösung

Im gut geheizten Schenkenberger Hof servierte man uns Kaffee, aber meiner Sucht zum Trotz, lehnte ich dankend ab, denn was rein geht muss auch irgendwann wieder raus, und der Aufwand die Hose zu öffnen und nachher wieder alles wind- und wasserdicht ohne Kältebrücke einzupacken ist einfach zu groß.
Ich ging etwas unkonzentriert an die Aufgabe ran, den Pleuel mögliches ohne die Kupferbahn zu berühren vom einen zum anderen Ende zu bewegen. Gleich sechs mal bemeckerte der Summer einen unerlaubten Kontakt. Joe machte die Sache, wie auf dem Bild zu sehen ist, wesentlich besser.

Kräutergarten

Ein wunderschön gelegener Posten am Waldrand außerhalb von Winterlingen. Direkt vor dem Kräutergarten mussten wir – nein, nicht Kräuter – sondern Insekten bestimmen. Es waren keine exotischen Sonderlinge dabei, nur das, was auch bei uns vor der Haustür kreucht und fleucht, somit konnten auch alle Nicht-Entomologen ein paar Punkte einpacken.

Waldparkplatz

In der Nähe von Horb befand ich unser nächstes Zwischenziel. Auf dem Waldparkplatz konnte ich mir an einem Feuer die kalten Glieder etwas aufwärmen, bis ich an der Reihe war, einen vorgegebenen Winkel möglichst genau an einem Winkelmesser einzustellen. Ich lag nur 3° daneben – gut geschätzt. Hätte man etwas Zeit gehabt, hätte man sich auch noch an die bereitgestellte Biergarnitur in die Sonne setzen können, aber leider müssen wir gleich wieder los. Der Zeitrahmen dieser Nummer ist leider recht knapp bemessen, außerdem ist man nach einigen Stunden auf dem Bock froh, wenn man mal stehen darf.

Tanken

Muss ja auch mal sein, bei meinem 12 l Minitank zur Bewältigung der gesamten Strecke (heuer 540 km mit Anreise) sogar gleich zwei Mal. Hier in Freudenstadt, an der zu diesem Zeitpunkt wohl teuersten Tanke von ganz Deutschland.

Wilde Rench

In den Tiefen des Schwarzwalds finden wir Abseits der großen Straßen unseren nächsten Bestimmungsort. In einer kühlen Garage mussten zehn Fotos mit Motorrädern beschriftet werden. Da waren so Sachen wie Wheelie, Stoppie, Drift, Cliffhanger, „Donat“ und „Bornout“ dabei. Das Highlight hier: zwei Kuchen und ein paar Thermoskannen mit Kaffee standen zur allgemeinen Verfügung. Also kurz was in die Kaffeekasse geschmissen und vom Backwerk jeweils eine Scheibe verdrückt. Vorbildliche Versorgung. Bei der Abfahrt mussten wir gefühlt eine Viertelstunde mit 10 km/h einem Traktor hinterherfahren, der es augenscheinlich genoss, das Tempo für uns vorzugeben.

Gernsbach

Die Anfahrt nach Gernsbach über die B500 war wunderbar. Bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein vorbei an Skipisten, Langläufer und dem zugefrorenen Mümmelsee cruisten wir entspannt Richtung Baden-Baden, genossen die Aussicht und den Augenblick. Wenn man sich bis jetzt gefragt hat, wieso man sich den ganzen Stress gibt, hier und jetzt war die Antwort klar. Es sind Momente oder Ereignisse wie diese, die nicht geplant werden können und auf einmal da sind.
Am Checkpoint angekommen war dann sogleich Schuss mit lustig, als ich in den VW Bus stieg um Jahreszahlen irgendwelchen Ereignissen zuzuordnen. Einführung von Farbfernsehen in Deutschland, erster Flug der Ju, Konstruktion des Otto-Motors und so Zeug … keine Ahnung wie ich da mit 6 vom 10 richtigen Antworten rausgekommen bin.
Außerdem heißt es jetzt rechnen – schaffen wir den letzten Posten noch oder gleich zum Ziel? Mit dem Auslassen eines Postens vergibt man zwangsläufig jede Chance auf ein Podiumsplatz, zu spät ins Ziel kommen wird aber sehr empfindlich bestraft, so dass rechtzeitiges Eintreffen auch zwingend erforderlich ist, wenn man sich denn Hoffnung auf eine gute Platzierung macht. Kurz abgestimmt und mit Vollgas über die Autobahn Richtung Großglattbach. Wir schaffen es gegenüber der berechneten Navi-Ankunftszeit 6 Minuten gutzumachen. Genau die haben uns nämlich noch gefehlt.

Großglattbach

Leider habe ich in der Hektik total vergessen von der tollen Privat-Werkstatt, in der wir Schwimmabzeichen bestimmen mussten, ein Foto zu machen, denn uns blieben weniger als fünf Minuten Restzeit, wenn wir noch vor 15:30 Uhr im Ziel sein wollten. Obwohl ich die Abzeichen noch nie gesehen habe, war die Symbolik so gut, dass ich alle zehn richtig zuordnen konnte. Aber wir investieren keine Sekunde in die Freude, sondern geben alles in die Fahrt nach Schwarzenberg.

Ziel

Die fünf Minuten retten wir ganz locker in’s Ziel, aber eben auch nur fünf Minuten. Bei einer Veranstaltung, die auf 9 1/2 Stunden (von 6 bis 15:30 Uhr) angesetzt ist, schon recht knapp, deswegen war die Freude groß, dieses Mal alle Posten bewältigt zu haben. Das ist gar nicht so einfach, wenn man wie wir in einer Dreiergruppe unterwegs ist, denn bei den Aufgaben ergeben sich somit lange Wartezeiten. Ein Pause ist eh nicht drin, sonst schafft man das sicher nicht rechtzeitig.

Wir haben ein Rad ab

Die letzte Postenaufgabe des Tages erwartete uns im Ziel. Weil die Ankunftszeit bereits in der Boardkarte notiert wurde, sind wir diese ohne Zeitdruck angegangen. Zeitdruck gab es dann aber währenddessen, denn je schneller das Rad vom Roller abgeschraubt, um den Baum getragen und wieder angeschraubt wurde, desto höher war die Punktzahl. Ich habe 43 Sekunden gebraucht, was mir 24 von 30 möglichen Punkten bescherte. Den Michael habe ich dabei gefilmt, das will ich euch nicht vorenthalten.

Der Tag danach

Übernachten mit Frühstück an einem geheimen Ort. Warum geheim? Die Kapazitäten sind dort sehr begrenzt und wir wollen und doch nicht mit anderen Winterfahrern um diese wundervollen Lokalität streiten, nicht wahr?

Daheim

Wegen weiterer Termine an diesem Sonntag, musste ich die Heimfahrt mit einer Autobahnetappe zum Schluss etwas beschleunigen, aber das wichtigste: sowohl die Kantn als auch ich sind ohne Blessuren wieder zu Hause angekommen.

Pokal oder Spital

Nun, liebe Kinder, gebt fein acht, ich hab‘ euch etwas mitgebracht.

Fazit

Natürlich spielt das Wetter bei jeder Outdoor-Veranstaltung eine große Rolle, und im Winter noch eine viel größere. Wenn das Wetter, so wie dieses Jahr mitmacht, kann das ein gelungener Tag werden. Die Organisation des MSC Pforzheim war, wie jedes Jahr, wieder sehr gut, die Lage der Posten und die Aufgaben gut gewählt, aber anmelden per E-Mail, darauf werden wir wohl noch ein paar Jährchen warten müssen.

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2 Kommentare zu “29. Schwarzwald Winterfahrt 2017
  1. Ingolf sagt:

    Gratuliere zum Pokal und deinem Mum, dich diesem „Wintervergnügen“ jedes Jahr aufs Neue aus zu setzen.

  2. Hans sagt:

    Mir wurde kalt beim Lesen. Ich ziehe meinen Hut vor dieser eisigen Leistung!

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